Man unterschied in germanischen Zeiten die "Oberdeutsche“ und die „Niederdeutsche“ Mundart, Niederdeutsch (oder auch Plattdeutsch) wurde in verschiedenen ähnlichen Mundarten gesprochen:
Niederfränkisch (Niederlande);  Niedersächsisch (Friesisch—Sächsisch; Westfalen, Ostfalen) ;  Ostniederdeutsch (Brandenburg, Mecklenburg, Hinterpommern, Ostpreußen).
Der nord—östliche Teil des Niederdeutschen wurde als „Plattdeutsch “ durch Dichter wie Fritz Reuter, Klaus Groth und zahlreiche neuere und neueste Schriftsteller in die Literatur eingeführt. Ebenso gibt es bei den weiteren niederdeutschen Mundarten entsprechende Veröffentlichungen.

Visselhövede gehörte in germanischen Zeiten zum Sturmigau, mit Verden als Sitz einer Diözesanverwaltung (nach Christianisierung durch Karl den Großen). Es gab noch zwei weitere Verdener Graue (Waldsati und Mosidi), die später mit den drei bremischen Gauen (Wigmodien, Hostingabi und Heilanga) zum Gau Wigmodi zusammengefasst wurden.  Der Name „Sturmigau“ dürfte sich von einem Volksstamm ableiten, die zu Ureinwohnern dieses Gaues wurden. Es handelte sich dabei um den Volksstamm der Nordalbinger, die sich aus den Stormarii (Stormarn), den Thiedmarsi (Dithmarschen) und den Holsatii (Holstein) zusammensetzten.

Eine der ältesten Urkunden, die aus unserer Gegend erhalten geblieben ist, (jedoch nur in Abschrift, da die Urkunde selbst verschollen ist) stammt aus Lüdingen und wurde um 1300 in plattdeutscher Sprache geschrieben. Alle anderen Urkunden aus dieser Zeit, bis um 1600, wurden sonst in Latein zu Papier gebracht. Danach kamen bei amtlichen Urkunden die deutsche Sprache zur Verwendung, meist in der sog. Sütterlinschrift. Gesprochen wurde aber nur Plattdeutsch.

 Älteste bekannte Urkunde aus Visselhövede in Plattdeutsch

Mit zunehmender Bürokratisierung der Behörden und Ämter kam das Hochdeutsche immer mehr auf und verdrängte allmählich die plattdeutsche Sprache. Ende des 19. Jahrhunderts versuchte der Hannoversche Verein, diesem Trend entgegen zu steuern, in Verbindung mit z.B. dem „Theaterklub Visselhövede“. In Visselhövede wurde, wie durch einen Zeitungsartikel überliefert, am Sonnabend, den 15. Oktober 1921, in Eggers Saal ein plattdeutscher Abend durchgeführt, welcher gut besucht war, meistens von der Landbevölkerung. Denn auf dem Lande wurde damals kaum Hochdeutsch gesprochen. Dieser plattdeutsche Abend begann mit einem Vorspruch „De Heimat“, vorgetragen von einem Jungmann des Visselhöveder Wanderbundes, darauf folgte das von Rektor Husmann aus Speckenbüttel gedichtete Lied „Lewet Hannoverland“, welches heute wohl vergessen ist. Nach abwechselnden Vorträgen, Anekdoten und Liedern (u.A. auch „Wenn du en gode Husfro best“) spielte der Theaterklub das Stück „Wigmodien.“. Es spielte in der engeren Heimat und zeigte die Freud- und Schadenseiten des Bauernlebens. Der Erfolg des Theaterstücks war so durchschlagend, dass man es kurzfristig wiederholte. Hermann Hüner (Harber) und Rektor Husmann sprachen die Schlussworte.
Der Ablauf des Abends war ähnlich der bei den einige Jahrzehnte später aufgeführten Theaterstücken des Plattdeutschen Vereins, gegründet 1952.

Das Oberlandesgericht in Oldenburg hat in einer Entscheidung das Plattdeutsche als Verhandlungssprache (Gerichtssprache) zugelassen.

Ab 1933 begann die Gleichschaltung aller kulturellen Tätigkeiten. Die Nationalsozialisten verfügten die Übernahme des Hannoverschen Vereins in die NS-Kulturgemeinde, die dann 1937 zusammen mit dem kulturellen Amt „Feierabend“ und der NS-Kulturgemeinde in die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ überging.
Im Oktober 1936 Wurde ein lustiger plattdeutscher Abend durchgeführt, jedoch war die Resonanz bei der Bevölkerung nur mäßig, obwohl Spitzenkomiker der damaligen Zeit auftraten. Die NS-Gemeinschaft KdF spielte im Winterprogramm 1937 (14.1.1938) das Stück „Jan un de Swindlerin“ von Schwensen.
Noch im gleichen Jahr fand anlässlich des Stadtfestes (zur Stadtwerdung) am 8. und am 14. August 1938 das plattdeutsche Stück „De Deerns ut’n Dorpkroog “ statt. Aufgeführt wurde im Schützenholz, von den Scheeßeler Beekscheepers.
Im Februar 1939 gastierte hier die Camper Speeldeel mit dem Stück „Familienanschluss“ von Karl Bunje. Beide Veranstaltungen (zum Stadtfest sowie die letztere) waren sehr gut besucht. Es waren jedes Mal über 300 Personen anwesend.
In den Kriegsjahren wurden noch einige Unterhaltungsabende durchgeführt, die meisten mit der NSG-KdF. Sie waren alle sehr gut besucht. Und es gab einige Aufführungen in Plattdeutsch. Mit der Zunahme des Flüchtlingsstromes aus den Ostgebieten ebbte das Interesse an Theateraufführungen ab: z.T. waren sie ab 1943 verboten, vor allen Dingen hatte man aber andere Sorgen. Nach dem Kriege war die Bevölkerung vollauf beschäftigt mit Aufläumarbeiten, Beschaffung von Lebensmitteln und Heizmaterial. Erst langsam begann wieder ein Vereinsleben.

Und 1952 war es dann soweit, dass Katharina Dreyer auch einen Plattdeutschen Verein ins Leben rufen konnte.

Von Klaus Heinzel.

 
 

In dat Johr1952 harn wi egens keenen Vereen nödig. Hier bi us in Stadt um Land snackten alle platt, de Olen un de Jungen. Doch nu is dat anners worn: dörch den döösigen Krieg sind veele Landslüe ut’n Osten in use Gegend kamen. Wenn se uck ünner sick ehr eegen Platt snackten: mit us: inne Geschäften , up’n Amt, överall weer nur noch Hochdütsch to hören. Us schöne, ole Modderspraak Plattdütsch weer meist ganz ut de Kehr komen. „Nu ward dat Tied, at wi wat för use ole Spraak, Sitten und Brück doot“. So dach Katharina Dreyer. In use Zeitung let se verkünnen: „ Wer Lust hett: Wi Willt eenen plattdütschen Vereen grünnen. Lüe, besinnt jo, kamt! Dat kann sachs düster weern för all us Kulturgod.“ Se har woll de richtige Näs. An’n ersten Abend, den 30. Dezember 1952 versammel’n sick bi Stelters Schorse (Visselquelle, Deucker), ölm Lüe:

Katharina Dreyer, Clara König, Hedwig Bartels, Martha Bargfrede, Lisa Vaupel, Walter Vaupel, Wilhelm Biermann, Rudolf von Deylen, Karl Redecker, Georg Stelter und Wilhelm Heins.
Dat weer de Geburt vun Plattdütsche Vereen Visselhöv. So schall de Vereen heeten, da weern sick alle schnell eenig.
Hedwig Bartels schreev in de „Visselhöveder Nachrichten“ över diese Grünnung: (Rotenburger Kreiszeitung vom 30.12.1952)

An’n 23. Februar 1953 sünd all 20 Lüe, de sick to den neen Vereen bekennt. Bien ersten Versammeln begreut Katharina alle un vertell denn, warum Wi us to een Vereen tohopenslaten hebbt. Wi Willt us ole Heimatspraak, dat Plattdütsche, hegen un plegen un all’s, wat us Vadder un Mudder un us Vörollern an ole Brükens un de Nedesassenart lehrt hebbt, in Ehren holen. Plattdütsch snacken un singen, Theaterspeeln un Lesen, damit düsse feine Art lebendig blieven deit.

Alle weern de Meenung, at Trinchen Dreyer provisorisch erste Vörsitter weern un Hans Bartels 50 Penn Bidrag kassieren schöll.
In Rodenborg weer an’n 17.9.1950 een plattdütsche Vereen grünnt worn. Dor künn Wi wat vun lehrn. Se besochen us an°n 24. Juni un schenkten to’n teken, dat Wi tohopen hörn, een Vereens—Affteken: twee krüste Peerköpp, de nah buten kiekt. Das weer dat Symbol vun’n Sturmigau.

In September 1953: de Rodenburger speelt för us Theater: „De Rebeljohn“ vun Hans—Ludolf Flügge.

An 27. Oktober ward de Vörstand för dree Johr Wählt. Inne Zeitung steiht: de Plattdüsche Vereen wast und gedeiht. Alle Maaten rögt fiiedig Kopp un Hännen.

Wat so’n richtigen Vereen is, de mut oek fiern un lustig ween. In Novemer 1953 givt dat bi Schorse Stelter obens Klock 8 eenen bunten Obend, rnit Grönkohl un Pinkel. Dat köst
2‚— Mark pro Person, un een lütten Schluck is uok noch dorbi.
Dörtig plattdütsche Maaten hebt mit fiert.

Von Ursel Heinzel

Leve Frünnen vun den plattdütsche Spraak, wenn ji Spaaß an de plattdütsche Spraak hebt, dann hebt ji villicht ok Lust usen Vereen to ünnerstützen und villicht sogoor een beten bitostüern.

Ji könnt toon bispeel in us Theoter een dragende Rull speelen. Oder eenfach bi den Kaffee- oder Speelenamiddag mitmaken.

Dorto hebbt wi hier ob düsse Siet usen Ubnohmeandrag toon Rünnerladen. Denn man glieks dorbi.

   Upnahmeandrag_Plattdütscher-Vereen-Visselhöv

 

 

 

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För dat 50-tigste Jubiläum het Ursel Heinzel heel feel Text tosamen söcht und upschreeben. Dor sünd den 44 Siten bi rutkomen. För dat Internet hebt wie blos een poor vun de wichtigsten un de över de wi an meisten hoegt hebt mit upnahmen.